15. Dezember 2009

Freie Fahrt für Fische -
Lachse können im Saynbach wieder zu ihren Laichgründen schwimmen (
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Mit der Umgestaltung des sogenannten „Wasserfalls“ in Isenburg, dem letzten Querbauwerk, das den Wanderfischen wie Lachs und Meerforelle den Weg vom Rhein zu ihren Laichplätzen im Oberlauf versperrte, wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass sich die potenzielle Fischfauna im Saynbach wieder ungehindert in beide Richtungen ausbreiten kann. Der als Lachsschwerpunktgewässer eingestufte Saynbach ist damit das erste Fließgewässersystem sowohl in Rheinland-Pfalz als auch bundesweit, welches auf natürlichem Wege vom Rhein aus wieder komplett bis in den Oberlauf und den Nebengewässern vom Lachs besiedelt werden kann.
 
Die Umsetzung des Projektes stellte eine besondere Herausforderung an alle Beteiligten dar. Einerseits war der ehemals ca. 3 m hohe Absturz ein unüberwindbares Hindernis für die Fische und damit Endpunkt bei ihrer Wanderung zu den Laichplätzen. Andererseits genoss der durch Laufverlegung des Saynbachs im 19. Jahrhundert künstlich entstandene Gefällesprung als sogenannter „Wasserfall“ einen besonderen Stellenwert in der Bevölkerung. Die genehmigte Planung sah daher eine Umgestaltung vor, die beiden Ansprüchen so weit wie möglich gerecht werden sollte. Im oberen Abschnitt wurde die Durchgängigkeit in Form eines Katarakts (kleine Stromschnellen, wie sie auch im weiteren Verlauf des Saynbachs natürlich vorkommen) wieder hergestellt. Die vorhandene Felsbank auf der linken Seite konnte zum Teil erhalten werden. Im unteren Abschnitt sichert eine flach geneigte Rampe aus Basaltsteinen in Form einer lang ausgezogenen Sohlengleite mit einer Längsneigung von 1 : 20 die Durchwanderbarkeit. Dazwischen wurde im Bereich des ehemaligen Tiefwassers ein „Kolksee“ angelegt. Von der Funktionsfähigkeit des ca. 75 m langen, naturnah gestalteten Bauwerkes konnte sich die Fachöffentlichkeit aus dem Einzugsgebiet von Wied und Saynbach anlässlich eines Gewässer-Nachbarschaftstages in Isenburg überzeugen.
 
Als planendes Büro hat das Ing.-Büro Dr. Rolf-Jürgen Gebler die Planung und die Entscheidungskriterien für die Wahl spezieller Bauausführungen an die Bedingungen vor Ort vorgestellt. Die Baumaßnahmen wurden Mitte Oktober 2008 abgeschlossen, so dass zu erwarten war, dass die im Herbst aufwandernden Lachse ihre Laichgründe erreichen können.
 
Im Rahmen einer Erfolgskontrolle wurde vor etwa 40 Fachleuten aus der Wasserwirtschaft die Funktionsfähigkeit der Sohlengleite als gewässerökologisch durchgängiges Bauwerk überprüft. Mittels Elektrobefischung wurden innerhalb der gesamten Rampe insgesamt 20 Fische aus vier Arten nachgewiesen. Davon hielten sich 14 Bachforellen von 10 – 28 cm, drei Mühlkoppen von 7 – 10 cm, zwei Junglachse aus Naturvermehrung mit 10 cm, sowie ein Milchner der Meerforelle mit ca. 50 cm in den Becken der Aufstiegsanlage auf. Dies ist insbesondere deshalb so bemerkenswert, da die Baumaßnahme erst zwei Wochen zuvor fertig gestellt wurde und die Nahrungsgrundlage in den Becken sicher noch nicht optimal ist. Die Ergebnisse belegen eindrucksvoll, dass die Rampe für schwimmstarke Arten wie Lachs, Meerforelle und Bachforelle, aber auch für schwimmschwache Arten wie die geschützte FFH-Art Mühlkoppe überwindbar ist.
 
Maßnahmenträger war der Landkreis Neuwied, der das Projekt auf Initiative und unter fachlicher Begleitung der Regionalstelle Montabaur der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord umgesetzt hat. Die Gemeinde Isenburg freut sich, dazu beigetragen zu haben, in Deutschland das erste komplett durchgängige Gewässersystem für Wanderfische geschaffen zu haben. Das Land Rheinland-Pfalz hat die Baumaßnahme mit einer Förderung von 90% aus Mitteln der „Aktion Blau“ finanziert. Die restlichen 10% wurden aus Mitteln des Ausgleichsbetrages für den ICE- Ausbau zur Verfügung gestellt. Die reinen Baukosten für die im Bild dargestellte Baumaßnahme beliefen sich auf rd. 72.000,- € (netto).
 
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Foto 1: Der „Wasserfall“ von Isenburg, vor der Umgestaltung (Foto: Gerhard Schlösser)

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: Der umgestaltete „Wasserfall“ hat den Charakter eines Gebirgsbaches, ist aber für Wanderfische wieder passierbar (Foto: Thomas Paulus)

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: Fischereibiologen überprüfen mittels Elektrobefischung, ob die umgestaltete Sohlengleite bereits von Fischen besiedelt wurde. Sie konnten junge, aus Naturvermehrung stammende Junglachse und schwimmschwache Arten wie die Mühlkoppe nachweisen (Foto: Thomas Meuer)

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: Ein ca. 50 cm langes Männchen einer Meerforelle (eine Forelle, die wie der Lachs aus dem Meer zum Laichen in ihr Heimatgewässer zurückkehrt) hatte bereits den Weg durch die Sohlengleite gefunden und wurde im oberen Abschnitt der Sohlengleite durch Elektrobefischung gefangen (Foto: Thomas Paulus)

Thomas Paulus, GFG mbH Mainz
Gerhard Schlösser, Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, Regionalstelle Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Bodenschutz Montabaur


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Das Saarland bietet unterhaltungspflichtigen Kommunen kostenlose Schulungen zur naturnahen Gewässerunterhaltung und -entwicklung im Rahmen der regionalen Gewässer-Nachbarschaften an

Das Saarland tritt der Vereinbarung zwischen den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz und der GFG mbH in Mainz bei

Das Saarland wird die unterhaltungspflichtigen Kommunen bei ihren Aufgaben der Gewässerunterhaltung und -entwicklung verstärkt unterstützen. Eine moderene Gewässerunterhaltung trägt maßgeblich zur Erreichung der Ziele gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie bei. Das Saarland tritt der Vereinbarung der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz mit der Gemeinnützigen Fortbildungsgesellschaft für Wasserwirtschaft und Landschaftsentwicklung (GFG) mbH, einer Tochter der DWA e.V. mit sofortiger Wirkung bei.

Die GFG wird in 4-5 auf die Einzugsgebiete der größeren Gewässer zugeschnittenen regionalen Gewässer-Nachbarschaften im Saarland die Fort- und Weiterbildung der unterhaltungspflichtigen Gebietskörperschaften vorbereiten, organisieren und durchführen. Ziel der regionalen Gewässer-Nachbarschaften ist die fachliche Unterstützung sowie der Erfahrungsaustausch aller an einem Gewässersystem arbeitenden und lebenden Interessensgruppen wie unterhaltungspflichtige Kommunen, Vertreter der anerkannten Natur- und Umweltschutzverbände, der Fachbehörden, der Fischerei, der Land- und Forstwirtschaft, der Bachpaten und Landschaftsschutzgebietsbetreuer. Hierbei wird die GFG fachlich mit dem Ministerium für Umwelt des Saarlandes und dem Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) zusammenarbeiten und die regelmäßigen Veranstaltungen koordinieren. Für jede der Gewässer-Nachbarschaften, die freiwillige Zusammenschlüsse der Gemeinden nin ihren Einzugsgebieten sind, werden von der GFG geschulte und fachlich ausgewiesene ehrenamtlich Betreuerinnen und Betreuer als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Im Rahmen der Gesellschafterversammlung der GFG in Mainz am 9. Juni 2009 unterzeichnen die Vertreter der Umweltministerien des Saarlandes, Hessens und Rheinland-Pfalz die Vereinbarung mit der GFG.

 

Hintergrund:

Die Gemeinnützige Fortbildungsgesellschaft für Wasserwirtschaft und Landschaftsentwicklung (GFG) mbH Mainz organisiert seit mehr als 13 Jahren im Auftrag der Umweltministerien der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz regionale Fortbildungsveranstaltungen (sog. Gewässer-Nachbarschaften) für die unterhaltungspflichtigen Gebietskörperschaften in der ökologisch orientierten Gewässerunterhaltung und leistet damit einen Beitrag zur einer modernen und nachhaltigen Gewässerentwickung.

Hauptaufgabe der GFG ist es Fortbildungsveranstaltungen (Gewässer-Nachbarschaften mit regionalem Erfahrungsaustausch = GN) durchzuführen. Diese regionalen nach Flusseinzugsgebieten organisierten GN werden seit mehr als 13 Jahren mit großem Erfolg flächendeckend in beiden Bundesländern Hessen und Rheinland-Pfalz von der GFG durchgeführt. Dabei wurden von 1996 bis 2008 auf durchschnittlich 30 GN-Veranstaltungen pro Jahr mehr als 12.000 Personen geschult.

Die Fortbildungsveranstaltungen werden in enger Zusammenarbeit mit den regional zuständigen Betreuerinnen und Betreuern und den Regierungspräsidien, Abteilung Umwelt (Hessen) und den Struktur- und Genehmigungsdirektionen, Regionalstellen Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Bodenschutz (Rheinland-Pfalz) organisiert. Freiwillige Mitglieder jeder GN sind die unterhaltungspflichtigen Kommunen, Unterhaltunghsverbände und die zuständigen Fachbehörden (Wasser-, Naturschutz-, Landespflege- und Forstbehörden, etc.) im Einzugsgebiet eines Gewässers oder Gewässerabschnittes, aber auch die breite Öffentlichkeit, wie z. B. Bachpaten, Angel- und Naturschutzvereine oder am Gewässer Interessierte.

In den regionlen Veranstaltungen werden die Mitarbeiter der unterhaltungs-pflichtigen Kommunen mit den neuesten Methoden einer modernen Gewässerunterhaltung vertraut gemacht. In Zusammenarbeit mit den ehrenamtlich tätigen Betreuerinnen und Betreuern werden Unterlagen zu wasserwirtschaftlichen Fachthemen in allgemein verständlicher Form erstellt. Zu den unterschiedlichen Themen liegen u. a. die erarbeiteten Broschüren, Faltblätter, Poster, Kartier- und Meldebögen sowie Übungsvorlagen und Mustervorträge bereit.

Die GFG stellt ihre Leistungen auch auf einer Internetplattform allen Interessierten kostenlos zur Verfügung. Die Homepage kann unter http://www.gfg-fortbildung.de eingesehen werden.

 

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Einteilung der Gewässer-Nachbarschaften im Saarland

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Neue Chancen für unsere Gewässer – EG-Wasserrahmenrichtlinie in Rheinland-Pfalz Öffentlichkeitsveranstaltung im Frühjahr 2009

Das Erreichen eines guten Zustandes für unsere Gewässer – Oberflächengewässer und Grundwasser – ist das Ziel der am 22.12.2000 in Kraft getretenen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Sie schafft einen Ordnungsrahmen zum Schutz der für Mensch und Natur lebenswichtigen Ressource Wasser.
 
Die Richtlinie berücksichtigt noch stärker als bisher die ökologische Funktion der Gewässer als Lebensraum für unterschiedliche Pflanzen und Tiere. Die Gewässer und deren Auenbereiche und Einzugsgebiete werden als Einheit betrachtet.Die Wasserrahmenrichtlinie sieht vor, die Gewässer samt ihrer Einzugsgebiete zukünftig unter Einbeziehung von ökologischen, ökonomischen sowie sozialen Zielsetzungen zu bewirtschaften. Hierzu sind bis Ende 2009 koordinierte Bewirtschaftungspläne einschließlich Maßnahmenprogrammen aufzustellen.
 
In Rheinland-Pfalz haben die Struktur- und Genehmigungsdirektionen die Maßnahmenprogramme gemeinsam mit den Maßnahmenträgern und unter Einbeziehung sonstiger Beteiligter, wie z.B. der Naturschutzverbände und der Landwirtschaft, entwickelt. Derzeit findet die Anhörung der Öffentlichkeit zum Entwurf des Bewirtschaftungsplanes Rhein statt (Infos dazu: SGD Süd, SGD Nord oder auf der website des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz).
 
Begleitend zu dieser Anhörung führen die Struktur- und Genehmigungsdirektionen im zweiten Quartal 2009 Informationsveranstaltungen durch. Dabei werden sie organisatorisch von der Gemeinnützigen Fortbildungsgesellschaft für Wasserwirtschaft und Landschaftsentwicklung (GFG) mbH in Mainz unterstützt. Bei diesen Veranstaltungen werden die Maßnahmenprogramme für Gewässereinzugsgebiete vorgestellt und diskutiert. Hierbei geht es nicht um die detaillierte Vorstellung von Einzelmaßnahmen, sondern um die Darstellung der Programme als konzeptionelle Rahmenplanungen. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen.
 
Die Veranstaltungen finden an folgenden Terminen jeweils von 17:00 - ca. 20:15 Uhr statt.
 
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Die GFG unterstützt Hessen bei der Öffentlichkeitsbeteiligung zur EU-WRRL

Ziel der Veranstaltungen war es, die Fachöffentlichkeit am Prozess der WRRL und im Besonderen an der Aufstellung von allgemein akzeptierten Maßnahmenprogrammen für die jeweiligen Einzugsgebiete der Oberflächengewässer (punktförmige Belastungen und Struktur) zu beteiligen. Die Situation der Grundwasserkörper wurde in einer gesonderten Veranstaltungsreihe in der Fachöffentlichkeit und der Landwirtschaft diskutiert.
 
In kurzen anschaulichen Vorträgen erläuterten Fachleute der hessischen Wasserwirtschafts-verwaltung, was die EU-WRRL von der Administration, den unterhaltungspflichtigen Gebietskörperschaften und den Vertretern der Verbände erwartet. Es wurde dargestellt, welche stofflichen Belastungen in den Gewässern vorliegen, wie diese behandelt werden können und mit welchen strukturverbessernden Maßnahmen eine naturnahe Gewässerentwicklung unterstützt werden kann. Die Möglichkeiten zur Information, Diskussion und zum Erfahrungsaustausch wurden intensiv genutzt.
 
In den Workshops wurden von den insgesamt mehr als 1.500 Teilnehmern sehr viele Fragen gestellt, Anregungen gegeben und eigene Vorschläge für Maßnahmen zur Erreichung des guten ökologischen Zustands der Gewässer im stofflichen wie auch im strukturellen Bereich eingebracht. Diese wurden auf den vorbereiteten Musterbögen eingetragen und in den regionalen Maßnahmenkarten plaziert. Die sehr guten Vor-Ort-Kenntnisse der regional engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltungen konnten so einbezogen und deren Vorschläge in die Maßnahmenprogramme eingearbeitet werden.
 
Die umfangreichen Ergebnisse der Beteiligungsplattformen sind auf der Internetseite des Hessischen Umweltministeriums unter www.flussgebiete.hessen.de veröffentlicht.
 
Diese Veranstaltungen haben in Hessen dazu beigetragen, dass die Maßnahmenprogramme eine große Akzeptanz in einer breiten Öffentlichkeit genießen. Die Wasserwirtschaftsverwaltung hat entsprechend der EU-WRRL der aktiven Beteiligung der Öffentlichkeit einen großen Stellwert eingeräumt und damit die Chancen für eine zeitnahe Umsetzung der Maßnahmen geschaffen. Dadurch wird es möglich sein, den guten ökologischen Zustand der Fließgewässer durch eine große Zahl von umgesetzten Gewässerentwicklungsmaßnahmen bereits 2015 zu verwirklichen.
 
Die GFG freut sich sehr, dass sie mit der Unterstützung der Beteiligungsplattformen dazu beitragen konnte, den Prozess zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie durch eine flächendeckende, aktive und breite Öffentlichkeitsbeteiligung in Hessen weiterzubringen.(Fotos Th. Paulus)

 

Beteiligungsplattform - Veranstaltung 08_WRRL_Hessen_Stoffe 08_WRRL_Hessen_Dill
BPF Modaugebiet Workshop Stoffe BPF Dill Workshop Struktur
Beteiligungsplattform - Veranstaltung 08_WRRL_Hessen_Neckar 08_WRRL_Hessen_Lahn_Ohm_Wohra
Vorschläge/Bemerkungen BPF Neckar BPF Lahn/Ohm/Wohra
08_wrrl_hessen_milahn 08_WRRL_Hessen_Nat_Ing_Bachpaten 08_WRRL_Hessen_Rheingau_Wiesbaden
BPF Mittlere Lahn BPF Rodau/Bieber BPF Rheingau und
Landeshauptstadt Wiesbaden


Ein Beispiel aus Rheinhessen

Pflege und Unterhaltung von Fließgewässern kann in der Praxis oft eng mit einer Neugestaltung verbunden sein, erfordert aber in der Regel Fläche. Der Mölsheimer Quellbach, ein Nebenbach der Pfrimm und Gewässer 3. Ordnung, verlief seit einem halben Jahrhundert entlang der Kreisstraße in einem Beton-Trapezprofil. Das Kanalbett wies zunehmend Beschädigungen auf. Eine Behebung durch kostenintensivere Unterhaltungsmaß-nahmen kam nicht mehr in Frage, so dass als nachhaltige Lösung letztendlich die Rückverlegung ins Taltiefste gewählt wurde.
 
Diese Trasse sollte neben schadloser Ausuferung auch Erlebnis- und Erholungsraum in Dorfnähe bieten. Darüber hinaus waren Bewirtschaftungseinschränkungen für die angrenzenden Weinbauflächen zu vermeiden und im Nebenschluß ein Teich als naturnaher Ruheplatz mit Retentionsfunktion einzurichten. Eine Reihe zusätzlicher Restriktionen, wie zahlreiche Kreuzungen durch Feldwege, eine schwer lokalisierbare Wasserleitung, Querung eines Regenwasserkanals und ein zu kreuzender Kanalhauptsammler bei unterschiedlichen Gefällstrecken zwischen 11% und 1% machten eine Planung im Sinne einer dynamischen Entwicklung des Gewässers außerordentlich schwer.
 
Neben einer ambitionierten Planung wurde das Vorhaben von einem Verbandsbürgermeister begleitet, dessen Einsatz maßgeblich zur Akzeptanz in der Öffentlichkeit beitrug.
 
Die notwendige Flächenbereitstellung wurde ermöglicht, indem die Neuordnung mit einem fast abgeschlossenen Flurneuordnungsverfahren auf der anderen Talseite der Pfrimm verbunden wurde. Trotz der Komplexität dieses Flächenmanagements, konnte das Verfahren in nur 2 Jahren abgeschlossen werden. Dadurch war die Bereitstellung eines ausreichenden Gewässerrandstreifens gesichert. Finanziell war dies durch die unbürokratische Beantragung und Bearbeitung von Landeszuschüssen möglich.
 
Das Beispiel zeigt, wie eine ungewöhnlich komplizierte Ausgangssituation durch die flexible, aufgeschlossene und engagierte Zusammenarbeit von Genehmigungsbehörde (SGD Süd), Flurneuordnungsbehörde (DLR), Gemeindeverwaltung und Ingenieurbüro zu einem für alle Seiten befriedigenden Ergebnis gebracht werden kann..
 
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Dem Mölsheimer Bach steht nach 50 Jahren als Kanal
nunmehr ein ausreichender Entwicklungskorridor im
Taltiefsten zur Verfügung.
 
 
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Auch Reparaturen konnten nicht verhindern, dass der
Bach sein eigenes Bett sucht.
 
 
 
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Durch die Sohleintiefung der Pfrimm war Durchgängigkeit
nicht mehr gewährleistet.
 
 
 
 
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Bei Abflüssen zwischen 10 l/s und 2250 l/s (10 jähriges
Ereignis) kommen in gefällereicheren Strecken
Strömungslenker zum Einsatz.
 
 
 
 
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Im Nebenschluß das
neue Regenrückhalte-
becken mit vorgelagertem
Materialfang kurz vor der
neu geschaffenen Mündung
des Mölsheimer Bachs in die
Pfrimm.